{"id":15140,"date":"2020-04-02T18:34:56","date_gmt":"2020-04-02T16:34:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.cittadellaeditrice.com\/munera\/?p=15140"},"modified":"2020-04-02T18:34:56","modified_gmt":"2020-04-02T16:34:56","slug":"offener-brief-uber-den-liturgischen-ausnahmezustand","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.cittadellaeditrice.com\/munera\/offener-brief-uber-den-liturgischen-ausnahmezustand\/","title":{"rendered":"Offener Brief \u00fcber den \u201eliturgischen Ausnahmezustand\u201c"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.cittadellaeditrice.com\/munera\/wp-content\/uploads\/letteraperta.jpeg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-medium wp-image-15043\" alt=\"letteraperta\" src=\"http:\/\/www.cittadellaeditrice.com\/munera\/wp-content\/uploads\/letteraperta-225x300.jpeg\" width=\"225\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.cittadellaeditrice.com\/munera\/wp-content\/uploads\/letteraperta-225x300.jpeg 225w, https:\/\/www.cittadellaeditrice.com\/munera\/wp-content\/uploads\/letteraperta-768x1024.jpeg 768w, https:\/\/www.cittadellaeditrice.com\/munera\/wp-content\/uploads\/letteraperta.jpeg 1536w\" sizes=\"(max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Offener Brief \u00fcber den \u201eliturgischen Ausnahmezustand\u201c<\/strong><\/p>\n<p>von Andrea Grillo<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">(Deutsche Fassung)<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Originaltext in Italienisch am 27. M\u00e4rz 2020 im blog: \u201eCome se non\u201c:<\/p>\n<p><span style=\"color: #0563c1\"><span style=\"text-decoration: underline\"><a href=\"http:\/\/www.cittadellaeditrice.com\/munera\/come-se-non\/\">http:\/\/www.cittadellaeditrice.com\/munera\/come-se-non\/<\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p>ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: small\">Der vorliegende offene Brief \u00fcber den \u201eliturgischen Ausnahmezustand wird den Theologinnen und Theologen, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, Theologiestudentinnen und -studenten zur freien Unterschrift angeboten<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: small\">Reaktionen k\u00f6nnen \u00fcber zwei Wege erfolgen:<\/span><\/p>\n<ol type=\"a\">\n<li>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: small\">\u00fcber das Facebook-Profil von Andrea Grillo, um einen Kommentar mit der eigenen Zustimmung und einem Hinweis auf die eigene akademische Position abzugeben, <\/span><\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: small\">\u00fcber eine @mail an <\/span><span style=\"color: #0563c1\"><span style=\"text-decoration: underline\"><a href=\"mailto:andreagrillo61@gmail.com\"><span style=\"font-size: small\">andreagrillo61@gmail.com<\/span><\/a><\/span><\/span><span style=\"font-size: small\"> mit den gleichen Angaben. <\/span><\/p>\n<\/li>\n<\/ol>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: small\">Hier der Text des offenen Briefes<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-size: large\"><b>Offener Brief \u00fcber den \u201eliturgischen Ausnahmezustand\u201c<\/b><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\">\n<p><b>An<\/b><\/p>\n<p><b>Theologinnen und Theologen,<\/b><\/p>\n<p><b>Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler,<\/b><\/p>\n<p><b>Theologiestudentinnen und -studenten<\/b><\/p>\n<p lang=\"de-DE\">\n<p align=\"justify\">Die gro\u00dfe liturgische Tradition, die die Kirche in ihrer Gnaden- und S\u00fcndengeschichte begleitet und unterst\u00fctzt, steht unter dem Eindruck des St\u00f6hnens der Menschen und Nationen in dieser Pandemiekrise, die allen, die krank sind, Leid und Bedr\u00e4ngnis, allen anderen Isolation, Einsamkeit und Angst bringt. Dadurch \u00e4ndert sich der vertraute Rhythmus der Fasten- und Osterzeit, er wird untergraben und er vereint in dem gemeinsamen Leiden.<\/p>\n<p align=\"justify\">Wir h\u00e4tten es jedoch nie f\u00fcr m\u00f6glich gehalten, dass kirchliche Autorit\u00e4ten ausgerechnet jetzt zwei Dekrete ver\u00f6ffentlichen, die das Leiden der Gl\u00e4ubigen eher noch vergr\u00f6\u00dfern d\u00fcrften: Es geht um die Dekrete <i>Quo magis<\/i> und <i>Cum sanctissima<\/i>, die die Kongregation f\u00fcr die Glaubenslehre am 25. M\u00e4rz 2020 ver\u00f6ffentlicht hat.<\/p>\n<p align=\"justify\">Es wundert uns nicht, dass diese Kongregation ihre Aufmerksamkeit auch der Liturgie widmet. Aber besonders bemerkenswert und einzigartig ist die Tatsache, dass sie <i>Ordines<\/i> modifiziert, Pr\u00e4fationen und Festformulare einf\u00fchrt, Kalendarien und Kriterien der Rangordnung liturgischer Feiern modifiziert \u2013 und all das bezogen auf das Messbuch vom 1962.<\/p>\n<p align=\"justify\">Wie ist all das m\u00f6glich?<\/p>\n<p align=\"justify\"><a name=\"_GoBack\"><\/a> Ohne Frage nimmt hier die Kongregation h\u00f6chste Autorit\u00e4t in Anspruch, indem sie sich auf das Motu Proprio <i>Summorum Pontificum<\/i> bezieht, das vor 13 Jahren ver\u00f6ffentlicht worden ist. Da jedoch \u201edie Zeit gr\u00f6\u00dfer als der Raum\u201c ist, versteht sich auch, dass das, was auf normativer Ebene m\u00f6glich ist, nicht zu jedem Zeitpunkt\u00a0angemessen sein kann. Dann ist entscheidend, dass die Logik des Geschehenen kritisch reflektiert wird.<\/p>\n<p align=\"justify\">Im Laufe der Zeit ist das Paradox sichtbar geworden, dass den Bisch\u00f6fen und der Kongregation f\u00fcr den Gottesdienst und die Sakramentenordnung Kompetenz in Bezug auf die Liturgie genommen worden ist. Zwar sollte das MP <i>Summorum Pontificum<\/i> zu einer feierlichen Befriedung und gro\u00dfz\u00fcgigen Vers\u00f6hnung f\u00fchren. Aber bald f\u00fchrte es zu einer ernsthaften Spaltung und zu einem weit verbreiteten Konflikt, entwickelte sich sogar zum Symbol einer Ablehnung des Zweiten Vatikanischen Konzils durch die Liturgie.<\/p>\n<p align=\"justify\">Dass die urspr\u00fcnglichen Absichten grundlegend verfehlt wurden, l\u00e4sst sich heute in jenen Di\u00f6zesanseminaren feststellen, in denen k\u00fcnftige Priester gleichzeitig in zwei verschiedenen Riten ausgebildet werden sollen: dem konziliaren Ritus und dem Ritus, der diesen leugnet. All dies erreichte in den vergangenen Tagen seinen surrealen H\u00f6hepunkt mit der Ver\u00f6ffentlichung der beiden genannten Dekrete. Sie markieren den H\u00f6hepunkt einer nicht mehr tolerierbaren Verzerrung der Verh\u00e4ltnisse, die sich wie folgt zusammenfassen l\u00e4sst:<\/p>\n<p align=\"justify\">&#8211; Die Kongregation f\u00fcr die Glaubenslehre \u00fcbernimmt die Kompetenzen, die das Zweite Vatikanum den Bisch\u00f6fen und der Kongregation f\u00fcr den Gottesdienst und die Sakramentenordnung zuschreibt;<\/p>\n<p align=\"justify\">&#8211; sie arbeitet \u201eliturgische Varianten\u201c der <i>Ordines<\/i> aus, ohne \u00fcber die historischen, textbezogenen, philologischen und pastoralen Kompetenzen zu verf\u00fcgen;<\/p>\n<p align=\"justify\">&#8211; gerade auf dogmatischer Ebene scheint sie den ernsthaften Konflikt zu untersch\u00e4tzen, der zwischen <i>lex orandi<\/i> und <i>lex credendi<\/i> entsteht, da es unvermeidlich ist, dass eine doppelte, dadurch konfliktreiche Form des Ritus eine signifikante Trennung im Ausdruck des Glaubens hervorruft;<\/p>\n<p align=\"justify\">&#8211; sie untersch\u00e4tzt die st\u00f6rende Wirkung dieses \u201eAusnahmezustands\u201c auf kirchlicher Ebene, da ein Teil der Gemeinschaft gegen die \u201eGebetsschule\u201c immunisiert wird, die das Zweite Vatikanische Konzil und die Liturgiereform f\u00fcr das Leben der Kirche geschaffen haben.<\/p>\n<p align=\"justify\"><a name=\"_Hlk36652378\"><\/a> Der \u201eAusnahmezustand\u201c begegnet jedoch auch auf ziviler Ebene heute als harte Notwendigkeit: Diese Tatsache erm\u00f6glicht uns jedoch eine gr\u00f6\u00dfere kirchliche Weitsicht. Um zur kirchlichen Normalit\u00e4t zur\u00fcckzukehren, m\u00fcssen wir den liturgischen Ausnahmezustand \u00fcberwinden, der vor 13 Jahren in einer anderen Welt, unter anderen Bedingungen und mit anderen Hoffnungen mit <i>Summorum Pontificum<\/i> begonnen wurde<\/p>\n<p align=\"justify\">Es macht keinen Sinn mehr, den Di\u00f6zesanbisch\u00f6fen ihre liturgische Kompetenz zu entziehen. Es macht keinen Sinn mehr, dass eine Kommission wie <i>Ecclesia Dei<\/i> (die de facto bereits abgeschafft wurde) oder eine Sektion der Kongregation f\u00fcr die Glaubenslehre weiter existieren, die den Di\u00f6zesanbisch\u00f6fen oder der Kongregation f\u00fcr den Gottesdienst und die Sakramentenordnung die Autorit\u00e4t nehmen. Es macht keinen Sinn mehr, dass Dekrete erlassen werden, um einen Ritus zu \u201ereformieren\u201c, der in einer vergangenen, fest kristallisierten, leb- und kraftlosen Geschichtsepoche verkapselt ist. F\u00fcr einen solchen Ritus kann es keine Wiederbelebung mehr geben.<\/p>\n<p align=\"justify\">Das Doppelregime ist ebenso vorbei wie auch die edle Absicht von <i>Summorum Pontificum<\/i> geschwunden ist. Die Lefebvrianer haben immer h\u00f6here Forderungen erhoben und sind dann weggelaufen, um das Zweite Vatikanische Konzil und den amtierenden Papst zusammen mit seinen drei Vorg\u00e4ngern zu beleidigen. Den \u201eliturgischen Ausnahmezustand\u201c weiterhin zu alimentieren \u2013 der Einheit schaffen sollte, de facto aber nur Spaltung produziert \u2013, f\u00fchrt nur zur Fragmentierung, Privatisierung und Verzerrung des Gottesdienstes in der Kirche.<\/p>\n<p align=\"justify\">Auf Grundlage dieser \u00dcberlegungen schlagen wir vor, gemeinsam die Kongregation f\u00fcr die Glaubenslehre aufzufordern, die beiden Dekrete vom 25.03.2020 unverz\u00fcglich zur\u00fcckzuziehen und den Di\u00f6zesanbisch\u00f6fen sowie der Kongregation f\u00fcr den Gottesdienst und die Sakramentenordnung alle Zust\u00e4ndigkeiten in Bezug auf die Liturgie zur\u00fcckzugeben. Davon unbeschadet bleibt f\u00fcr die Kongregation f\u00fcr die Glaubenslehre, wie immer, ihre Kompetenz in doktrin\u00e4ren Fragen.<\/p>\n<p align=\"justify\">Verlassen wir endlich den \u201eliturgischen Ausnahmezustand\u201c!<\/p>\n<p align=\"justify\">Wenn nicht jetzt, wann dann?<\/p>\n<p align=\"justify\">Mit den besten W\u00fcnschen an alle Kolleginnen und Kollegen in diesen bitteren, lebensbedrohlichen, aber nicht hoffnungslosen Zeiten.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">\n<p lang=\"de-DE\">\n<p>Andrea Grillo<\/p>\n<p>(un ringraziamento cordiale al prof. Antonio Autiero, per la accurata traduzione)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Offener Brief \u00fcber den \u201eliturgischen Ausnahmezustand\u201c von Andrea Grillo (Deutsche Fassung) Originaltext in Italienisch am 27. M\u00e4rz 2020 im blog: \u201eCome se non\u201c: http:\/\/www.cittadellaeditrice.com\/munera\/come-se-non\/ ver\u00f6ffentlicht. 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